• An welchem Punkt stehen wir?

    Giorgio Agamben

    Die Bedrohung durch das Covid-19-Virus wird uns nicht nur als globaler Gesundheitsnotstand in Erinnerung bleiben, sondern auch als Verschärfung einer bestehenden demokratischen und staatspolitischen Krise. Im Namen der öffentlichen Gesundheit hat sich in vielen Ländern ein Regierungsstil durchgesetzt, dessen Angelpunkt der Erlass von Notverordnungen von zweifelhafter verfassungsmäßiger Richtigkeit war. Der Ausnahmezustand ist zum Normalzustand geworden. Einer der Ersten, der gegen diese Entwicklung seine Stimme erhob, war Giorgio Agamben. Seine anfängliche Empörung geht im Verlauf seiner Wortmeldungen, die hier nachzulesen sind, in die tiefere Analyse der neuen politischen Konstellation der "Biosicherheit" über: eine Verbindung des juristisch-politischen Dispositivs des Ausnahmenzustands mit der Wissenschaft, insbesondere einer sakralisierten Medizin, und den digitalen Technologien. Eine Gesellschaft, die ihr Gesicht hinter einer Maske verbirgt, sich vom Prinzip der "sozialen Distanzierung" leiten lässt und im ständigen Ausnahmezustand lebt, kann, so Agambens Befund, keine freie Gesellschaft sein. Was auf dem Spiel steht, sei nicht weniger als die Abschaffung des öffentlichen Raums in seiner Gesamtheit.

    Umfang: 155 Seiten
    Erschienen: 2021
    Verlag: Turia und Kant
    ISBN 9783851329964
  • Was glaubst du eigentlich?

    Charlotte Jurk, Reimer Gronemeyer (Hg.)

    Wankt der Riese Wissenschaft? Haben wir die Wissenschaft zur Ersatzreligion gemacht? Lösen darum Gesundheitsexperten die Politik ab? Spaltet Corona die Gesellschaft? Wie leben wir auf den Trümmern unserer Hoffnungen und Illusionen? Was können wir noch wissen und was nicht?

    Dieser Band sucht nach Erklärungen für unsere Krisengesellschaft und spricht von den Ausgängen, durch die das warme Licht einer neuen Verbundenheit der Menschen untereinander einfällt.

    Es ist spannend und hilfreich inmitten dramatischer Krisenerfahrungen  den Stimmen, die in diesem Buch versammelt sind, zu lauschen. Das Buch bietet Beiträge von nahmhaften Autorinnen und Autoren aus Kanada, USA, Indien, Italien, Österreich, Frankreich und Deutschland. Sie machen das Buch zu einem Kaleidoskop, in denen das Dunkle und das Erhellende, das vor uns liegt, sichtbar wird.

    Umfang: 270 Seiten
    Erschienen: 2021
    Verlag: Wolfgang Polkowski
    ISBN 978-3-9818195-5-7
  • Himmel. Erde. Menschen. Kunst.

    Sommerakademie Alfter

    Stefanie Gather, Silke Kirch

    Seit 1989 öffnet die Sommerakademie Alfter bei Bonn in den Semesterferien die Ateliers und Werkstätten der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft sowie des Alanus Werkhauses – mit Malerei, Bildhauerei, Tanz, Musik, Eurythmie, Schreibwerkstatt, Theater und experimentellen Angeboten. Als Forum für den Austausch von Jung und Alt, von bildenden und musischen Künsten ist die vierwöchige Veranstaltung selbst ein Soziales Gesamtkunstwerk.

    In diesem Sinne ist auch das vorliegende Buch zu verstehen. Es zeigt Wandlungsfähigkeit und Bestand. Es beleuchtet den Kontext der Entstehung von Hochschule, Werkhaus und Sommerakademie. Es reflektiert, wie das Ab- und Auftauchen im Atelier die Menschen und ihr Leben verwandelt hat. Dabei wird deutlich: Die Sommerakademie Alfter führt bis heute den ursprünglichen Impuls von Alanus ab Insulis – Namenspatron von Hochschule und Werkhaus – fort. In der Auseinandersetzung mit den Künsten bringt der Mensch sich selbst hervor – ein umfassendes Bildungsgeschehen, das weit über den Einzelnen hinaus in die Welt wirkt: Himmel. Erde. Menschen. Kunst

    Umfang: 248 Seiten
    Erschienen: 2019
    Verlag: INFO3
    ISBN 978-3-95779-096-5
  • Aber ich will nicht in diese Welt gehören...

    Beiträge zu einem konvivialen Denken nach Ivan Illich

    Marianne Gronemeyer, Reimer Gronemeyer, Charlotte Jurk, Marcus Jurk, Manuel Pensé (Hg.)

    In einer Welt, in der eine Krise nach der nächsten verkündet wird, verlockt das Denken des Sozialphilosphen Ivan Illich zu einer Suche nach Auswegen. Doch lässt sich das Denken des scharfen Kritikers der Modernisierung und Verfechters konvivialer Technologienfür die Errichtung einer gerechteren, lebensfreundlicheren Welt gebrauchen? "Aber ich will nicht in diese Welt gehören" erklärt er selbst und erteilt damit einer Utopie der erlösten Existenz in dieser Welt eine Absage. Die Beiträge des Bandes erkunden aus vielfältigen Perspeltiven jene Haltung, die keine Erlösung erwartet und dennoch zutiefst hoffnungsvoll ist.

    Erschienen: 2019
    Verlag: Transcript
    ISBN 978-3-8376-4903-1
  • Die Grenze

    Was uns verbindet, indem es trennt. Nachdenken über ein Paradox der Moderne

    Marianne Gronemeyer

    Seit Menschengedenken arbeiten wir uns an ihnen ab: Kinder loten ihre Grenzen aus; Ländergrenzen werden umkämpft; die Medizin zögert den Tod, die letzte aller Grenzen, immer weiter hinaus. Doch je mehr wir versuchen, Grenzen aufzulösen, desto mehr kehren sie zurück: Die EU verstärkt ihre Außengrenzen; unser Lebensstil zwingt uns, in »Grenzwerten« zu denken, um die Folgen unseres Handelns einzudämmen. In einem paradoxen Durcheinander scheinen sich Grenzziehung und Entgrenzung zu überlagern. Die einen beklagen den Fall von (Staats-)Grenzen als ein kulturelles Artensterben; die anderen propagieren Barrierefreiheit in jeder Hinsicht als zukunftsweisend. In einer derartigen Situation bedarf es der kritischen Reflexion, um zu erkennen, welche Grenzen sinnvoll sind und welche nicht. In einem Rundgang durch unsere Kultur lotet die Autorin aus, wie Grenzen zustande kommen, was sie bedeuten und welches positive wie negative Potenzial sie in sich bergen.

    Umfang: 240 Seiten
    Erschienen: 06.08.2018
    Verlag: oekom Verlag - München
    ISBN 978-3-96238-048-9
  • Entprofessionalisieren wir uns!

    Ein kritisches Wörterbuch über die Sprache in Pflege und sozialer Arbeit

    Reimer Gronemeyer und Charlotte Jurk (Hg.)

    Plastikwörter aus der industriellen Produktion überrollen uns. Dieser Neusprech markiert und begleitet die zunehmende »Professionalisierung« von Pflege und sozialer Arbeit. Doch unter dem Vorwand der Optimierung wird tatsächlich die brutale Verdinglichung mitmenschlicher Zuwendung betrieben.

    Die Beiträger_innen plädieren für einen radikalen Kurswechsel und fordern eine Entprofessionalisierung im sozialen Bereich, die sie jedoch nicht als konkretes Programm verstehen. Vielmehr ermutigen sie dazu, sich des Korsetts der Effizienz zu entledigen und sich auf Warmherzigkeit und Großherzigkeit zu besinnen, die ein unverbildetes Können ausmachen.

    Umfang: 260 Seiten
    Erschienen: 1.5.2017
    Verlag: Transcript Verlag
    ISBN 978-383-7635-546
  • Blickwechsel.

    Die Kunst der Demenz

    Oliver Schultz

    »Aus diesen Bildern leuchtet uns ein, was unsere Lebensweise in das Vergessen drängen möchte.« Reimer Gronemeyer

    Die Zahl der Menschen, die mit einer Demenz leben, wächst stetig und wird in unserer alternden Gesellschaft in einigen Jahren bei etwa 2,5 Millionen liegen. Für Betroffene, Angehörige, für ambulant und stationär Pflegende, für die Kommunen und für das Gesundheitswesen wird daraus eine große Herausforderung erwachsen. Immer drängender stellt sich für jeden Einzelnen - persönlich, aber auch als Teil des gesellschaftlichen Ganzen - die Frage: Wie ist ein gutes Leben mit Demenz möglich?
    Niemals zuvor wurde so viel über Menschen mit Demenz gesprochen, doch kaum jemand spricht mit ihnen. Hier setzt der Band »Blickwechsel - Die Kunst der Demenz« an. Der Bildende Künstler und Demenzforscher Oliver Schultz hat fünfzehn Jahre lang Menschen mit Demenz in ihren eigenen künstlerischen Prozessen begleitet und dabei eine einzigartige Sammlung von Geschichten und Bildern zusammengestellt, in denen sie selbst zu Bild und Wort kommen. Ihre Bilder bergen Überraschungen, sind manchmal von unglaublicher Heiterkeit, ein anderes Mal von bebender Zartheit.
    Wird darin, wie nicht selten der Fall, nach Hinweisen auf ihre Erkrankung gesucht, verwandeln sich unsichere, verletzliche Linien in das Instrument der Pathologisierung. Die den Bildern beigegebenen Texte erzählen von Begegnungen voller Humor, Wärme und Menschlichkeit. So kann das Buch eine ganz andere, spielerische und hoffnungsvolle Haltung zur Demenz ermöglichen.
    Das Buch »Blickwechsel - Die Kunst der Demenz« will die Menschen mit Demenz durch ihre Bilder selbst sprechen lassen und zu ihrer Entstigmatisierung beitragen. Es ermöglicht die Begegnung mit dem bildnerischen Denken, Fühlen und Tun von Betroffenen und ermutigt zu einer neuen Sicht auf Demenz. Zugleich ist der Band ein wertvolles Handbuch mit Anregungen zum künstlerischen Arbeiten in der Praxis, aber auch ein Geschenkbuch für Angehörige und Interessierte.

    Erschienen: Mai 2017
    Verlag: Edition Faust
    ISBN 978-394-5400-418
  • Die Weisheit der Alten

    Sieben Schätze für die Zukunft

    Reimer Gronemeyer

    Der gesellschaftliche und humanitäre Reichtum des Alters
    Wir leben in einer innovationssüchtigen Zeit. Was alt ist, das ist auch schlecht. In seinem ebenso klugen wie faszinierenden Buch dreht Reimer Gronemeyer den Spieß um. Er weiß: Alte Menschen hüten einen Schatz, den es neu zu entdecken gilt. Er zeigt in pointierter Weise, welchen gesellschaftlichen und humanitären Reichtum das Alter in sich birgt.

    »Die Schätze der Alten sind nicht wie eines dieser bunten Ostereier, die als ›Kinder-Überraschung‹ angepriesen werden. Auch nicht wie eine Wundertüte. Die Schätze der Alten konzentrieren sich in ihren Erfahrungen – und die sind manchmal bitter und sogar fürchterlich. Wenn man nach diesen Schätzen der Alten sucht, stößt man nicht unbedingt auf eine Kiste mit Goldbarren, sondern womöglich auf Erfahrungen, die Schuld, Unglück, Leid und Hass offenbaren. Keine süße Schokolade, keine blauen Plastik-Schlümpfe, sondern Abgründe. Verstörendes. Aber gerade darin kann dann mehr Weisheit, mehr Erfahrung und mehr Tiefe zu finden sein als in platter Positivität. Die Schätze der Alten sind nicht eine Ressource, die sich zur Ausbeutung anbietet. Sondern im besten Fall ein ‚Lebensmittel’ ein Mittel, das den Jüngeren Lebensanlässe bietet. Die Erinnerungen der Alten sind kein Kitschparadies, sondern harte Wirklichkeiten. Die im Leben der Alten gesammelten Erfahrungen können den Nachkommen als Wegweisung dienen, als Trost, als Ermutigung.« (Reimer Gronemeyer)

    Umfang: 216 Seiten
    Erschienen: Februar 2018
    Verlag: Herder
    ISBN 978-3-451-60043-2
  • Bodenlos

    Vom Verschwinden des Verlässlichen

    Charlotte Jurk und Reimer Gronemeyer (Hrsg.)

    Vom Leben in der Bodenlosigkeit sprechen die Beiträge des Bandes – sei es als erlebte Lebensgeschichte, Denkgeschichte oder in Reflexion alltäglicher Erfahrungen der Isolation und Verlassenheit. Sie öffnen den Blick dafür, dass der Verlust des Bodens unsere Kultur und unser Dasein radikal verändert. »Bodenlos« ist eine genaue Beschreibung für das globale Phänomen der Landvertreibung. Dies hat Enteignung und Entwurzelung von Hunderttausenden von Menschen in der so genannten Dritten Welt zur Folge. Auch bei uns verschwindet das fruchtbare Land (der Humus) dieser Erde in Folge einer agrotechnischen Großindustrie, die machtvoll die Verödung und Vergiftung einstiger Kulturlandschaften vorantreibt. »Bodenlos« ist aber auch die beispiellose Verwüstung des sozialen Lebens in den Ländern des reichen Nordens. Einsamkeit, Bindungslosigkeit und der aufge- zwungene Verzicht auf ein tätiges, erfahrbares Leben bringen ein Lebensgefühl hervor, das kaum noch Grund unter sich spüren kann. 

    Verlag: Brandes & Apsel
    ISBN 978-3-86099-690-4
  • In den Flüssen nördlich der Zukunft

    LETZTE GESPRÄCHE ÜBER RELIGION UND GESELLSCHAFT MIT DAVID CAYLEY

    Ivan Illich

    Ivan Illich zeigt in diesen Gesprächen mit David Cayley, in welcher Weise die moderne Gesellschaft in all ihren Widersprüchen und Verästelungen aus der Geschichte des Christentums und der Kirche verstanden werden muß. Seine provozierende These ist, daß die westliche Zivilisation nur angemessen als Korruption der christlichen Botschaft verstanden werden kann.
    Ivan Illich erkennt, daß die Moderne weder die Erfüllung, noch die Antithese zum Christentum darstellt, sondern vielmehr als dessen Perversion begriffen werden muß. Er argumentiert, daß die Anfänge der westlichen Moderne auf eine radikale Veränderung der lateinischen Christenheit zurückgehen, in deren Folge die Kirche ihre Macht einsetzte, um die Menschen zu formen und zu disziplinieren. Die Versuche der Kirche, den Weg zur Erlösung und die Erlösung selbst mittels eines umfassenden Regelsystems zu garantieren und zu regulieren, brachten eine fatale Wertschätzung von Normen und Regeln mit sich, die nicht nur im abendländischen Rechtssystem, sondern auch in der Ethik ihren Niederschlag gefunden hat. Illichs Analyse der gegenwärtigen Gesellschaft bietet eine neue Sicht auf das Christentum und die Grundlagen der abendländischen Kultur.

    Erschienen: 2006
    Verlag: C.H. BECK
    ISBN 978-340-6542-145