Wie Kranke und Pflegende profitabel gemacht werden

»Seit Jahren werden mit viel Aufwand PatientInnen, Krankheiten, Therapien und Pflege normiert und standardisiert. Nicht mehr Kranke mit ihren individuellen Leiden und Erfahrungen stehen bei dieser Entwicklung im Mittelpunkt. Höchstes Ziel ist vielmehr die Anwendung statistisch ermittelter Durchschnittstherapien auf statistisch hergestellte Durchschnittsmenschen. 
Die Standardisierung der Tätigkeiten im Gesundheitswesen führt zu einer Entwertung und Verarmung des Erfahrungswissens der Beschäftigten. Für dieses ist in den normierten Arbeitsabläufen mit engen Zeitvorgaben und zunehmender Bürokratie kein Platz. Qualitätskontrollen prüfen nicht die inhaltliche Güte der erbrachten Leistungen, sondern ausschließlich das Einhalten der formalen Prozessabläufe. 
Zunehmend bestimmen Manager, Ökonomen, Statistiker und Bürokraten der beteiligten Interessensgruppen (Krankenkassen, Ärzteverbände, Pharma- und Geräteindustrie, Krankenhausgesellschaften, Regierungsbehörden) das ärztliche, therapeutische und pflegerische Handeln - vom Mutterleib bis zum Lebensende. Die so Behandelten haben längst verinnerlicht, dass Gesundung ohne medizinische Intervention nicht möglich ist. 
PatientInnen und solche, die es werden sollen, werden täglich mit widersprüchlichen Zumutungen konfrontiert.
Einerseits sollen sie als KundInnen auf dem gewinnorientierten Gesundheitsmarkt möglichst viel, auch Überflüssiges und Krankmachendes, konsumieren. Anderseits werden ihnen als Versicherte zunehmend Leistungen vorenthalten. 
Mit Angsterzeugung und Prämien werden sie als Gesunde in immer mehr 'Checks' und 'Vorsorgeuntersuchungen' getrieben. Dann müssen sie sich, gesund oder krank, anhören, sie gingen zu oft zum Arzt und sollten doch mehr Eigenverantwortung übernehmen. Gleichzeitig werden krankmachende Lebensverhältnisse ignoriert. Wir gründen eine Koalition der Nichteinverstandenen und laden zur gemeinsamen Diskussion ein.«